• Foto: Tom Wachtler
  • Text und Fotos: Tom Wachtler

Turmstüberl

Kärntner Bierlokal des Jahres 2015

Man sagt in Villach nicht „Kneipe“ und auch nicht „Pub“. Man sagt „Turmstüberl“. Oder noch einfacher: „Beim Leo.“

Das Turmstüberl von Leo Schuster ist DIE Kneipe in der Altstadt. Der Wirt führt das Lokal seit mittlerweile 30 Jahren. „Unverändert“, wie mir Stammgast Peter an der Theke erzählt. Der Inhaber, der gleichzeitig der einzige Mitarbeiter ist, hätte sich ebenfalls kaum verändert, ergänzt er und legt lachend nach: „Nur älter ist er geworden.“ Dass Leo die Bemerkung mit einem fröhlichen „Ich hab wenigstens nicht so zugenommen wie du“ quittiert, ist das beste Beispiel für das Klima in diesem Kärntner Kleinod: Man ist eine große Familie, die Gäste gerne aufnimmt.

Bierpapst Conrad Seidl war schon mehrmals im Turmstüberl zu Gast.
Die Gäste genießen das familiäre Klima.

Bierpapst Conrad Seidl war hier schon mehrmals zu Gast und offensichtlich begeistert. Der Fachjournalist verlegt den österreichischen Bierguide und hat in der jüngsten Ausgabe das Turmstüberl – voll des Lobes – zum „Kärntner Bierlokal des Jahres 2015“ erklärt. Vielfalt statt Einfalt: Das sei schon immer Leos Motto gewesen, wenn es ums Bier geht, schwärmt auch Peter. Vorrang hat die heimische Braukust: das legendäre Kärntner „Hirter Bier“ zum Beispiel oder „Malle Bier“ aus Kärntens kleinster Brauerei in Oberwollanig bei Villach und am Villacher Kirchtag natürlich das „Villacher Bier“.

Leo ist für seine Brote "berühmt".
Zum Bier werden im Turmstüberl Brote serviert.
Die alten Schilling-Preise wurden einfach überklebt.

Dazu serviert Leo Brote, für die er laut Peter in Villach „berühmt“ ist. Die umstehende Gäste an der Theke nicken zustimmend. Klassiker sind, wie man mich aufklärt, das Tatar-Brot, das (zentimeterdick) belegte Brot und das deftige Verhackert-Brot. Verhackert ist ein Aufstrich aus geräuchertem, kleingehacktem Speck (daher der Name). Das dazugehörige Brot serviert Leo, nach Wunsch mit oder ohne Zwiebeln. „Ich weiß ja nicht, was er danach vor hat“, grinst der Wirt. Die kleine Karte mit den Broten hängt in barocken Bilderrahmen an der Wand. Tradition wird großgeschrieben: Die alten Schilling-Preise sind, deutlich sichtbar, einfach mit den Beträgen in Euro überklebt worden.

Wegweiser: 20 Sekunden bis zum Turmstüberl
Das Turmstüberl grenzt an den letzten Turm der Stadtmauer.
Die Stadtmauer wurde 1348 neu erbaut.

Apropos Tradition: Der Name Turmstüberl nimmt Bezug auf die Nachbarschaft. Das kleine historische Gewölbe, in dem sich das Lokal befindet, grenzt unmittelbar an den letzten noch erhaltenen Turm der Villacher Stadtmauer an, die anno 1348 errichtet wurde. Im Turm befindet sich die „Kanzlei“ (man nennt sie tatsächlich so) des Villacher Alpenvereins. Ihm sind die originellen Wegweiser an beiden Enden der schmalen, versteckten Gasse zu verdanken, die zum Lokal führt. So gelb wie sonst nur Wanderwege ausgeschildert sind, steht dort „Turmstüberl 20sek“.

Auch Live-Musik wird im Turmstüberl gespielt.
Auch Englisch schwirrt durch den Raum.
Leo Schusters Turmstüberl

Herzstück des Turmstüberls ist – neben der Theke – ein Piano. Live-Musik mit dem Schwerpunkt Blues steht regelmäßig auf dem Programm. Al Cook, Peter Ratzenbeck, Erik Trauner, Henry Gray und Hans Theessink haben hier schon gespielt, ebenso Konstatin Wecker. „Er hat nach einem Konzert in Villach bei mir noch ein Bier getrunken und sich spontan ans Piano gesetzt“, ist Leo stolz.  

Im Turmstüberl und seiner Wohnzimmeratmosphäre trifft man alle Generationen und alle Nationen. Neben Deutsch schwirrt vor allem Englisch durch den Raum. Die Gäste sind keine Touristen, sondern Mitarbeiter der großen internationalen Industrieunternehmen in Villach. Sie haben in ihrer neuen Heimat eine Kneipe oder ein Pub gesucht – und das Turmstüberl gefunden.

Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag, 18:00 bis 01:00 Uhr
Freitag und Samstag, 18:00 bis 02:00 Uhr

Turmstüberl
Herr Leo Schuster
Adresse
Widmanngasse 44 Villach 9500
Email
turmstuerberl@gmail.com
Telefon
+43 664 5655028
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