• Gasthof Gruenwald Kaerntner Nudl

    Foto: Daniel Gollner Quelle: Gasthof Gruenwald
  • Foto: Daniel Gollner
  • Ingeborg und Gudrun Daberer

    Foto: Daniel Gollner Quelle: Gasthof Grünwald
  • Gasthof Grünwald, Familie Daberer

    Foto: Daniel Gollner Quelle: Gasthof Grünwald
Gasthof Gruenwald Kaerntner Nudl Ingeborg und Gudrun Daberer

Gasthof Grünwald, Familie Daberer

Krendln muss sie können, die Gitsche!

Stefan Heinisch

Daberer, das ist schon ein Name, der im Gailtal für Qualität bürgt. Die lassen nichts anbrennen. Da gibt es einerseits das Bio-Hotel von Marianne Daberer, eine wohlig-konzentrierte Essenz guten Geschmacks – ästhetisch, kulinarisch, atmosphärisch und andererseits den Gasthof Grünwald, den Ingeborg und Gudrun Daberer führen. Eine zweiköpfige Küchen-Manufaktur, die 45.000 Stück Kasnudl pro Jahr zubereitet.

Das Grünwald ist das perfekte Wirtshaus. Geradlinige Architektur und trotzdem gemütliche Gasthaus-Atmosphäre“,

...so wird der seit 300 Jahren in Familienbesitz befindliche Gasthof in Sankt Daniel im Gailtal via Online-Rezession beschrieben. Sehr treffend, denn genau so wirkt das Ensemble auch, das von Gudrun serviciert und von Ingeborg bekocht wird. Die beiden Damen haben das Haus vor 15 Jahren übernommen und entschieden sich in die Zukunft zu investieren. So steht der Grünwald heute substanzvoll gewachsen und wohlbedacht geformt direkt an der Gailtaler Landesstrasse. Ingeborgs Mann betreibt unweit noch eine Biolandwirtschaft, die dem Gastbetrieb harmonisch zuspielt.


Gasthof Gruenwald Slowfood Fruehstueck mit Kaffee Foto: Daniel Gollner
Gasthof Gruenwald Slowfood Fruehstueck Foto: Daniel Gollner
Gasthof Gruenwald Slowfood Fruehstueck Foto: Daniel Gollner
Gasthof Gruenwald Slowfood Fruehstueck Foto: Daniel Gollner
Gasthof Grünwald Slowfood Fruehstueck Foto: Daniel Gollner
Gasthof Gruenwald Kaerntner Nudl Foto: Daniel Gollner

Ich darf mit dem „Slowfood-Frühstück“ die neueste Erfindung der beiden innovationsfreundlichen Schwestern testen, genießen oder besser noch zelebrieren.

Was hier aufgedeckt wird, ist hinsichtlich Ausarbeitung und Präsentation zwar simpel und geradlinig, sprengt in Sachen Genusshingebungspotential und das dafür notwendige Zeitbudget, doch den Rahmen einer klassischen Morgen-Mahlzeit, wie Alpenurlauber sie kennen. Ein Akt, der – wenn es gut läuft – in ausgewählten Betrieben der Region zu einem Genussritual werden könnte, so sieht es Ingeborg Daberer, die ihren Gästen ein bis zu dreistündiges Frühstück, das eigentlich mehr ein radikal-lokaler Brunch ist, gegen Aufpreis anbietet. Kein Orangenjuice, auch wenn man hartnäckig danach fragt. Alles unverpackt, logo. Die Butter vom Bauern nebenan, Speck, Wurst, Apfelsaft, selbstgebackenes Brot, Eier – es fehlt einem nichts. Nach etwa 110 Minuten gepflogener Frühstückskultur im Hause Grünwald und einer Portion Sterz aus dem feinen weißen Gailtaler Landmais, gibt es zu meiner Überraschung Kärntner Kasnudl wahlweise mit Kärntner Weisswein oder Loncium-Bier, auch so ein sympathisches Produkt talentierter Brauhandwerker namens Planner und Feistritzer aus der Nachbarschaft, die mit ihren Fabrikaten die internationale Craft-Bier-Szene rocken und fleissig Preise sammeln. Im einem Moment intensiven Vormittagsgenusses wird mir dann auch klar, dass ein derart vielfältiges Frühstück aus Erzeugnissen lokaler Landwirtschaft eine eh notwendige Differenzierung im Gastgewerbe sein könnte.

Fazit: Hingehen und auskosten und mit Ingeborg philosophieren. Zum Beispiel über guten Geschmack am Morgen.


Das Nudl-Kudl-Mudl im Oktober ist eine Leistungsschau perfektionierten Handwerks.

Kärntner Nudl Zubereitung Foto: Daniel Gollner
Gasthof Gruenwald Kaerntner Kasnudl Foto: Daniel Gollner
Kärntner Nudl Fülle Foto: Daniel Gollner
Gasthof Gruenwald Kaerntner Nudl Foto: Daniel Gollner

„Freitags hat es immer Kropfn gegeben“,

...erzählt Ingeborg aus ihrer Kindheit und dem typischen Essen am letzten Werktag der Woche, das ihre Oma stets frisch zubereitete. Die Nudl

Die Nudl: Eine Teigtasche mit Füllung.

heißt hier Kropfn, was wiederum aber niemand verstehen würde, deshalb heißt der „Kropfn“ auch im Grünwald „Nudl“ – alles klar?

 

„Die gab es mit Erdäpfel- und Kletznfüllung mit grünem Salat und einer kalten Milch“,

...erinnert sich die Wirtin. Auch heute offerieren die Daberers das einfache Mahl freitags auf ihrer Tageskarte, um das kulturelle Erbe am Teller lebendig zu halten. Gut so.

Einmal im Jahr wird den Geschwistern aber echt alles abverlangt. Dann muss auch Gudrun in der Küche helfen, denn allein beim alljährlichen Nudl-Festival im Oktober produziert das Gespann wohlgemerkt ohne maschinelle Hilfe (auch kein Zukauf) zirka 13.000 Nudl in 37 unterschiedlichen Füllvariationen. Pro Jahr sind es gar 45.000 Stück und zumindest 10 bis 15 Nudltypen, die mit Handarbeit gekrend’lt werden. So eine Art Teigtaschenverschlussverzierung könnte man sagen. 

Anmerkung: ohne Verzierung verschlossen.

Eine Technik die unter anderem auch in Oberkärnten Anwendung findet.

Andernorts wird die Kärntner Nudl scheinbar nur „zusammengepitscht“ erläutert Ingeborg.

 

Der Teig der Kärntner, und somit auch der Gailtalter Nudl besteht übrigens aus Mehl, Wasser, Öl und Salz und wird hauptsächlich mit Käs-, Erdäpfel-, Fleisch oder Kletzn (gedörrte Birnen) gefüllt. Zumindest diese vier Sorten dürfen auf keinem Oberkärntner Wirtshaustisch fehlen. So will es die Tradition, auch im Grünwald. Und solange die „Gitsche“ (Anmerkung: unverheiratete Tochter eines Hauses) nicht ordentlich krendln kann, ist sie sowieso nicht heiratsfähig.

„Auch das gilt immer noch, ein ungeschriebenes Gesetz“, lächelt Ingeborg stolz.

Öffnungszeiten:

Mi bis So von 8.00 - 24.00 Uhr.
Mo und Di Ruhetag.

 

 

Natürlich war das für sie als krendelnde Gitsche kein Problem. Ingeborg ist glücklich verheiratet.

Gasthof Grünwald
Familie Ingeborg und Gudrun Daberer
Adresse
Dellach im Gailtal 9635
Email
gruenwald@dellach.at
Telefon
+43 4718 677
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