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  • Sennerin Adelheid Dullnig vor ihrer Heiligenbachhütte

    Foto: Lea Friessner Quelle: Lea Friessner
  • Spätsommer in den Kärntner Bergen

    Foto: Lea Friessner Quelle: Lea Friessner
  • Die Kühe genießen ihren Sommer auf der Alm

    Foto: Lea Friessner Quelle: Lea Friessner
  • Die „Villa“ der Mitarbeiter

    Foto: Lea Friessner Quelle: Lea Friessner
  • Anschnitt des Bergkäses

    Foto: Lea Friessner Quelle: Lea Friessner
  • Köstlicher Bergkäse von der Alm

    Foto: Lea Friessner Quelle: Lea Friessner
Sennerin Adelheid Dullnig vor ihrer Heiligenbachhütte Spätsommer in den Kärntner Bergen Die Kühe genießen ihren Sommer auf der Alm Die „Villa“ der Mitarbeiter Anschnitt des Bergkäses
Köstlicher Bergkäse von der Alm

Auf der Alm da gibt´s…

Lea Friessner

…ka Sünd´, sagt die Kärntner Mundart. Vor allem aber gibt es herrlichen Bergkäse, der traditionell in jeder Bergregion unterschiedlich zubereitet wird. Zwischen 150 und 200 bewirtschaftete Hütten und Sennereien warten jetzt im Spätsommer mit ihrer g´schmackigen Almkulinarik auf hungrige Wanderer.


Die Almwirtschaft hat in Kärnten eine jahrhundertelange Tradition, auch in diesem Sommer weiden mehr als 60 000 Tiere in Höhenlagen zwischen 1400 und 2200 Meter Seehöhe. Die frische Bergluft, die Bewegung in der Natur und vor allem die aromatischen Almkräuter machen die hohe Qualität der Milch dort oben aus. Und aus dieser Milch produzieren die Senner und Sennerinnen regionale Käsespezialitäten, die klingende Namen wie „Glundner Kas“ oder „Harber Kas“ tragen und direkt auf der Alm hergestellt werden. Ein Drittel der Sennhütten in Kärnten sind im Familienbesitz, die anderen werden von Almgemeinschaften betrieben.

Sennerin aus Leidenschaft

Sennerin Adelheid Dullnig vor ihrer Heiligenbachhütte Foto: Lea Friessner
„Kasjause“ an der Nockalmstrasse Foto: Lea Friessner
Die 115 Jahre alte Heiligenbachhütte Foto: Lea Friessner
„Kaskugalan“ gibt es auf der Halterhütte am Falkertsee Foto: Lea Friessner

Eine, die immer schon auf die Alm wollte, ist Adelheid Dullnig. Die 75jährige Sennerin betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Walter die 115 Jahre alte Heiligenbachhütte an der Kärntner Nockalmstraße. Wäre es nach ihr gegangen, wäre sie schon als junge Frau hierher gekommen.

In unserer Familie ist es aber üblich, dass die „Alten“ erst nach der Hofübergabe auf die Alm gehen...

...erzählt sie schmunzelnd. Inzwischen sind die beiden seit 25 Jahren jeden Sommer hier oben und bewirten ihre Gäste mit Suppen, Brettljausen, Reindling und Kaiserschmarren und produzieren Kärntner Käsespezialitäten. Am Herzen liegen der sympathischen Sennerin vor allem die Kinder, die auf der Alm wieder lernen „die Natur mit offenen Augen zu betrachten“. Gerne nimmt sie die Jugend auch mit zum Melken:

Es ist wichtig, Kindern ehrliche Antworten zu geben“ sagt sie: „Wenn ich in eine Großstadt komme, würde ich mich ja auch nicht auskennen.

Freude macht den Dullnigs aber nicht nur die Arbeit auf der Alm sondern auch die Wertschätzung ihrer Gäste: „Die Menschen achten viel mehr auf Qualität und Echtheit.

Die Menschen achten viel mehr auf Qualität und Echtheit.

Früher haben sie die einfachen Lebensmittel nicht geschätzt, heute ist das ganz anders“. Manchmal sitzt sie auch bis spätabends mit ihren Hausgästen in der Stube, trotzdem fängt ihr Arbeitstag bei Sonnenaufgang an.

 

Aus der frischen Bergmilch wird in der Heiligenbachhütte Butter, Glundner-, Grau- und Frischkäse gemacht. Für die Herstellung des „Glundnen“ wird reifer Topfen, gewürzt mit Salz, Kümmel und Pfeffer in einer Pfanne „gelunden“ (auf kleiner Flamme geröstet), der „Harber Kas“ oder Graukäse wird nicht geröstet, sondern nur getrocknet.

Bergkäserei mit Seeblick

Georg Wagner käst auf der Lammersdorfer Alm Foto: Lea Friessner
Blick zum Millstätter See Foto: Lea Friessner
70 Tage muss der Bergkäse reifen Foto: Lea Friessner
Die Lammersdorferhütte auf der Millstätter Alpe Foto: Lea Friessner

Käsermeister Georg Wagner hat seinen Arbeitsplatz rund 40 Kilometer entfernt auf der Millstätter Alpe: Die Lammersdorfer Hütte liegt auf 1650 Meter Seehöhe und bietet neben kulinarischen Almspezialitäten auch einen atemberaubenden Blick auf den zweitgrößten Kärntner Badesee, den Millstätter See. Neben der urigen Hütte befindet sich die Bergkäserei, die wie die Hütte im Besitz der hiesigen Almgemeinschaft ist. 90 Tage arbeitet der junge Käser auf...

einem der schönsten Arbeitsplätze, den ich mir vorstellen kann.

500 Liter Milch werden hier täglich verarbeitet, ungefähr 160 Laibe Bergkäse produziert Georg Wagner in den drei Sommermonaten, dazu 80 Laibe Schnittkäse, Butter, Topfen und Frischkäse. Dienstags und freitags kann man dem jungen Käsermeister bei seiner Arbeit zuschauen: An diesen Tagen führt er Interessierte und Gäste durch seine Bergkäserei. Und auch für Kinder gibt es hier jede Menge zu sehen: Ziegen, Schafe, Kühe und rund zwanzig Schweine werden unter anderem mit der frischen Molke aus der Almsennerei gefüttert.

Almkulinarik in Kärntens Bergen

Freundliches Service von Wirtin Elke Klammer
Foto: Lea Friessner
Der „Klassiker“ der Almkulinarik: Brettljause
Foto: Lea Friessner
G´schmackiges Glundnerbrot mit feinem Kümmelgeschmack Foto: Lea Friessner
Wirt Kurt Klammer am Herd: Der Kaiserschmarrn ist die beliebteste Nachspeise
Foto: Lea Friessner

Wir setzen uns zu Wirtin Elke Klammer, die gemeinsam mit ihrem Mann Kurt die Lammersdorfer Hütte bewirtschaftet, rund um uns sind die Tische mit zufriedenen Urlaubern besetzt, aber auch viele Einheimische treffen sich hier.

Am besten schmeckt mir der Bergkäse

...sagt eine holländische Urlauberin neben uns, sie hat sich gerade einen ganzen Laib gekauft:

damit ich daheim auch ein Stück Kärnten genießen kann, bis wir nächstes Jahr wiederkommen.

Wiederkommen, diesen Gedanken haben wir auch, als wir uns verabschieden und noch einen Blick in die Küche werfen, aus der uns eine atemberaubende Hitze entgegenströmt. Gekocht wird hier auf einem großen Holzofen, gerade stehen drei Pfannen mit Kaiserschmarren auf dem Herd. Der Käse aus der Bergsennerei wird auf der Brettljause serviert, auch die Käsespätzle und Kaspressknödel werden damit verfeinert.

Im September und Oktober steht am Granattor über der Lammersdorfer Hütte wieder das berühmte „Almtafeln“ auf dem Programm. Auf der Alm da gibts nicht nur keine Sünde und herrlichen Bergkäse, sondern auch keine Spur von Langeweile.

Eine Übersicht über alle in Kärnten produzierten Käsesorten gibt es auf: www.kaeseproduzenten.com

Schaukäsereien auf der Alm:
Lammersdorfer Hütte
Lammersdorfer Almstraße 28, 9872 Millstadt
T: +43 (0)664 / 16 08 123
www.lammersdorferhuette.at

Lammersdorfer Almsennerei
T: +43 (0)4766 / 35 96
E-Mail: sennerei@lammersdorferhuette.at

Tressdorfer Alm
Nassfeld 62, 9620 Hermagor
T: +43 (0) 4285/8181, +43 (0)664/4313056
www.tressdorferalm.at
Öffnungszeiten
18. Juni bis Mitte September 2017 täglich 9–14 h, kein Ruhetag. Freier Eintritt mit Kärnten Card.

Alexanderhütte und Sennerei Alexanderalm
Ursula Glabischnig
Öttern 2, 9872 Millstatt
T: +43(0)664/6454920
www.alexanderhuette.at
Öffnungszeiten: 18. Juni bis Mitte September 2017
Sennereiführungen ab 05. Juni bis 02. Oktober immer Montag und Mittwoch um 15 Uhr


Wirtalm Goggauwirthütte
Steuerberg, Goggau, 9560 Feldkirchen
Hermann Zitterer
Tel.: +43(0)664/4955331
Geöffnet: 15. Juni bis 22. September & 15. Dezember bis 7. April

Lainacher Kuhalm
Lainach 10
9833 Rangersdorf
T: +43 (0)664/9744223
www.lainacherkuhalm.at
Die Almkäserei ist von Mitte Juni bis 6. September geöffnet.
Sennereiführungen freitags sowie sonntags durch Senner Christof.
Tipp: Almfrühstück der besonderen Art (bitte mit Voranmeldung) 

BUCHTIPP: ALManach Kärnten. Von Marlies Glanzer, Kärntner Almwirtschaftsverein
Herrliche Touren zu besonderen Almen
ISBN: 978–3–99024–418–0
Preis: ca. € 16,90