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  • Das Kletzenbrot ist eine typische Kärntner Brauchtumsbäckerei

    Foto: Sabine Weyrer Quelle: Kärnten Werbung
  • Das Brot war damals eine wichtige Vitaminquelle im Winter

    Foto: Sabine Weyrer Quelle: Kärnten Werbung
  • Kletzen sind getrocknete Birnen

    Foto: Sabine Weyrer Quelle: Kärnten Werbung
Das Kletzenbrot ist eine typische Kärntner Brauchtumsbäckerei Das Brot war damals eine wichtige Vitaminquelle im Winter Kletzen sind getrocknete Birnen

Dem Kärntner Brauchtumsgebäck auf der Spur

Sabine Weyrer

Können Sie ihn riechen? Den Weihnachtsduft? Bestimmt, in der Adventzeit begegnen wir ihm an allen Ecken. Feine Gerüche von frisch gebackenen Keksen, fruchtigem Punsch, Weihrauch und Tannenzweigen erfüllen die Luft.

Ein ganz besonderer Duft führte mich in das vorweihnachtliche Gailtal, wo ich mich auf die Suche nach dem traditionellen Kärntner Weihnachtsgebäck machte...
 

Die Kletzen

Das Gottesauge wird in das Brot geschnitten Foto: Sabine Weyrer
Josefine Eder kann sich noch genau an die Tradition erinnern Foto: Sabine Weyrer
Jeder Handgriff sitzt Foto: Sabine Weyrer

2Die Kletzen, das sind getrocknete Birnen, waren für die Bergbauern eine wichtige Vitaminquelle an kalten Wintertagen. Damals, während und nach den Kriegszeiten, gab es so gut wie keine Möglichkeit, die Frucht haltbar zu machen, daher trocknete man sie. Im Brot verarbeitet waren sie ein treuer Begleiter während der Wintermonate.

„Meist wurde nur einmal bis zweimal gebacken. Erstens fehlte im Winter schlicht die Zeit und zweitens waren die Mühlen in entlegenen Gräben beheimatet, sodass man den Weg für das notwendige, gemahlene Mehl meist nur einmal auf sich nahm“, erzählt Josefine.

Gereicht wurde das Kletzenbrot zu Kaffee und Tee, gegessen wurde es gerne mit Butter. Ein Drautaler Brauch wird Josefine wohl immer in Erinnerung bleiben:

„Am Neujahrsmorgen mussten wir Kinder immer besonders früh aufstehen. Denn bevor es in den Stall zu den Tieren ging, gab es zum Frühstück traditionell Geselchte Würstel mit Kraut und Kletzenbrot, welches mit dem Gottesauge verziert war.“

So wurde das neue Jahr kulinarisch eingeläutet. Anders als im Drautal gibt es im Gailtal hingegen sogenannte „Kletzenkrampusse“ zur Weihnachtszeit, die den Kindern am Nikolaustag in die Schuhe gesteckt werden.

Die Zubereitung

Damals hieß es am Hof "mitanpacken" Foto: Sabine Weyrer
Das Brot ist bereit für den Ofen Foto: Sabine Weyrer
Damit kein Brot "aufspringt", werden Schnitte in den Teig gearbeitet Foto: Sabine Weyrer
Auf dem Weg zum Backofen Foto: Sabine Weyrer

Heute ist die Zubereitung natürlich längst nicht mehr so mühsam wie damals, Josefine erklärt wie’s geht:

„Als Zutaten für die Fülle benötigt man Kletzen, die man vorher durch Kochen aufgeweicht hat, Zwetschken, Nüsse und Rosinen sowie Orangenschalen und Zimt. Freilich darf ein Schuss Rum nicht fehlen, Josefine gibt auch gerne etwas Lebkuchengewürz dazu. Für den Sauerteig nimmt man Roggenmehl, welches man mit Salz, Trockengerm und Wasser vermengt.“

Frei nach dem Verhältnis „viel Fülle, wenig Teig“, wird das Ganze zu einer fruchtigen Masse geknetet, in Form gebracht und in den Ofen geschoben. Während Josefine ein Kletzenbrot nach dem anderen in den Ofen gibt, erklärt sie: „Heute mit einem Elektroofen ist das ja ein Kinderspiel. Die großen Holzöfen von damals musste man erst auf die richtige Temperatur bringen, damit das Brot backen konnte und nicht verbrannte.“ Zwischen 160 und 180 Grad sind ideal, eine gute dreiviertel Stunde beträgt die Backzeit.

Weihnachtlicher Duft

Zwischen 160 und 180 Grad sind ideal Foto: Sabine Weyrer
Ein weihnachtlicher Duft entweicht dem Ofen Foto: Sabine Weyrer
Der idyllische Hof der Familie Eder Foto: Sabine Weyrer
Er liegt hoch über dem Gailtal Foto: Sabine Weyrer

Während des Wartens erfüllt das ganze Haus nach und nach ein weihnachtlicher Duft und schließlich ist es soweit, das frisch gebackene Brot darf angeschnitten und verkostet werden.

Seminarbäuerin
Josefine Eder 

gewährt natürlich gerne jeden Interessierten Einblick in ihre Brot- und Backkünste. Die aktuellen Termine sind unter www.seminarbaeuerinnen.at/ zu finden.

Der fruchtige Geschmack verzaubert und als ich am Küchentisch von Josefine hoch oben über dem Gailtal das Kletzenbrot genießen darf, kann ich es auf einmal kaum erwarten, dass die Glocken endlich den Heiligen Abend einläuten.