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  • Das Brot wird befeuchtet

    Foto: Daniel Gollner
  • Das Lesachtaler Brot – UNESCO Weltkulturerbe

    Foto: Daniel Gollner
  • Die Lanner-Oma – Brot Produktion mit Sauerteig

    Foto: Daniel Gollner
Das Brot wird befeuchtet Das Lesachtaler Brot – UNESCO Weltkulturerbe Die Lanner-Oma – Brot Produktion mit Sauerteig

Das Lesachtaler Brot - die Renaissance des guten Geschmacks

Stefan Heinisch

Der „Wanderniki“ heißt eigentlich Nikolaus Lanner, ist Gastgeber des 3*-Alpengasthofs im naturbelassenen Kärntner Lesachtal, dem Südwestzipfel Österreichs südlichster Urlaubsregion.

Dort wo die Alpen trotz ihrer Schroffheit irgendwie schon mehr Südbalkon als felsiges Hochgebirge sind und sich gleich nebenan Osttirol in all seiner Pracht ausbreitet. Kurzum, ein herrliches Stück Erde. Er, der „Wanderniki“, spricht als Obmann einer noch jungen, frischen ARGE Namens Slow Food Travel Kärnten schon mal gerne und nicht wenig leidenschaftlich über das Handwerk des Brotbackens, die noch gelebten alten „Traditionen“ des abseits von Tourismusströmen gelegenen Hochtals. Niki Lanner ist angetreten, in seinem Betrieb regionales und frisches Essen zuzubereiten. Bestätigt wird ihm das von seinen Gästen (darunter auch der eine oder andere Allergiker), die seine frei-von- Geschmacksverstärkern geprägte Küche uneingeschränkt lieben.

Die Lanner-Oma beim Brot kneten Foto: Daniel Gollner

Szenenwechsel. Vereinte Nationen. Die in Paris ansässige UNESCO verleiht im Jahr 2010 dem Lesachtaler Brot den Status eines „immateriellen Weltkulturerbes“.

geöffnet vom 1. Mai bis 31. Oktober
täglich von 09.30-18.00 Uhr
Tel. 04716/484
9655 Maria Luggau 15 

Wikipedia dazu im Detail: „Das Welterbe der Klasse Traditionelles Handwerk umfasst den Getreideanbau und die Gewinnung des Korns, das notwendige Wissen zum Bau von Mühlen, spezielle Dialektausdrücke, alltägliche Rituale sowie das jährliche Mühlenfest in Maria Luggau und das Lesachtaler Dorf- und Brotfest“. Das ringt mir schon ein gutes Stück Ehrfurcht ab, auf dem Weg in die Kuchl, dort wo die „Lanner Mama“, unberührt von der hohen internationalen Anerkennung, durch ihr präzises Handwerk der Familie und den Gästen des 28-Betten-Alpenhotels mehrmals pro Woche frisches Brot schenkt.

„Wenn die Mama Brot bäckt, dann duftet das ganze Haus“.

Das Striezel wird geformt Foto: Daniel Gollner
Lesachtaler Brot Foto: Daniel Gollner

Was braucht es aber nun genau, um das original Lesachtaler Brot herzustellen?

Mühlenfest:  August in Maria Luggau

Brotfest: September in Liesing

Heimisches Mehl, z.B. aus der Kärntner Kropitsch-Mühle, dem dann noch Mehl von Lesachtaler Korn (Dinkel, Roggen) beigemengt wird. Den selbstgemachten Natursauerteig und die Manufaktur in der eigenen Kuchl vor Ort (eben nicht in der Großbäckerei). Diese drei Faktoren sind bedingungslos einzuhalten. „Unser Brot wird ganz sicher kein Exportgut, wir möchten damit in erster Linie den Eigenbedarf im Tal decken“, beschreibt Nikolaus Lanner seine Vision eines regionalen Kreislaufs. Er selbst kann sich noch gut erinnern, wie der Vater vor 30 Jahren selbst noch einen Kornacker bestellt hat. Auch die Dreschmaschinen sind noch da. Die ersten jungen ortsansässigen Bauern beginnen aber bereits wieder mit dem Kornanbau und wenn der derzeitige Slowfood-Zeitgeist diese Entwicklung noch zusätzlich befeuern kann, dann schaut es wirklich gut aus, mit dem Erhalt des traditionellen Handwerks.

Die Striezel kommen auf das Backblech Foto: Daniel Gollner
Nikki Lanner – Landwirt, Hotelier, Obmann der ersten Slow Food Travel – Region Foto: Daniel Gollner

Das Hochtal, das unter Bevölkerungsschwund leidet, ist prädestiniert, die Pionierrolle der ersten offiziellen Slowfood-Reisedestination der Welt einzunehmen.

Führung Mühlenweg

wöchentlich freitags von Mai bis September
10.00 Uhr Treffpunkt Lesachtaler Bauernladen
Anfragen Fam. Lugger
Tel. 04716/269

Schon bei der Anreise merke ich, wie die respektvoll in die Landschaft gezeichnete Straße mit ihren engen Reidn, den Reisegast zur Entschleunigung zwingt. Eine unbewusste Inszenierung, die aber sehr gut zur Philosophie des in dieser Region wirklich sanften Tourismus passt. Keine Bettenburgen, kein planloser touristischer Baukulturhorror, wie andernorts oft vorhanden. Vielmehr findet man hier eine ausgewogene Balance aus Natur- und Kulturlandschaft. Niki Lanner betrachtet sorgenvoll, wie regionale Produkte von Konzern-Massenware aus den Regalen der Supermärkte verdrängt werden. Er sieht Slowfood somit auch als eine Art Bastion, die kleine Strukturen fördert und am Leben hält. Dort, wo man dem Produzenten noch über die Schulter schauen kann und eben nur das verarbeitet wird, was der Boden und die Natur hergeben. Basta. Mit vielen regionalen Produkten, wie Honig, Säfte, Käse, Spirituosen, Speck und Wurstwaren von 60 heimischen Produzenten wird der Bauernladen in Maria Luggau bestückt, wo es natürlich auch das köstliche Bauernbrot zu kaufen gibt.

Die Lanner Oma beim Brot backen Foto: Daniel Gollner
Die Lanner-Oma – Brot backen aus Leidenschaft Foto: Daniel Gollner
Das Brot muss rasten Foto: Daniel Gollner
Das Brot kommt in den Backoben Foto: Daniel Gollner

Die Nähe zu Südtirol zeigt sich anhand der „Lesachtaler Morende“, einer Zwischenmahlzeit oder Jause mit frischen Produkten, die ihre Namensherkunft von unseren südlichen Nachbarn natürlich nicht verbergen kann („Merenda“, die italienische Nachmittagsjause).

Frisches Lesachtaler Bauernbrot bekommt man auch im Mühlenstüberl zur traditionellen Jause „Morenden Geheimnis“ Geöffnet von Mai bis Oktober, von 10:00 Uhr bis 22:00 Uhr
Tel: 04716 20053
Obergail 31
9653 Lesachtal

Im „Lesna dolina“ (slowenisch für Lesachtal; les = Wald) war und ist auch die Forstwirtschaft von großer Bedeutung. Die Haselfichten wurden als Klangholz für den Geigenbau verwendet und noch heute liefern die stolzen Lesachtaler ihr Holz unter anderem für den Bau der venezianischen Gondeln nach Italien. Die Tugend der Menschen, nicht immer jedem Trend zu folgen, bodenständig und verwurzelt zu bleiben, Traditionen zu bewahren, auf das Wesentliche zu fokussieren, gepaart mit der reizvollen Alpinlandschaft, machen das Hochtal zu einer romantischen Opposition zur digital-vernetzten, hektischen Alltagswelt. Slow ist hier nämlich Teil der DNA.