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  • Wildkräuterrahmsuppe nach Omas Art

    Foto: Sabine Weyrer
  • Quelle: Gipfelhaus Magdalensberg
Wildkräuterrahmsuppe nach Omas Art Gipfelhaus Magdalensberg

Kulinarische Reise in die Kindheit

Sabine Weyrer

 

Sie sind wieder da! Die sommerlichen Gerichte, die Gast und Gastgeber gleichermaßen in die Kindheit zurück versetzen, um herzliche und köstliche Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Dieses Mal im Genuss-Fokus: Das Herzstück Kärntens, die Region Mittelkärnten. Drei Wirte erinnern sich an ihren besonderen Geschmack der Kindheit. 

Diese Suppe ist einfach „wild“

Die Zutaten für die Suppe Foto: Sabine Weyrer
Wildkräuterrahmsuppe nach Omas Art Foto: Sabine Weyrer
Frisch gebackenes Kräuterbrot Foto: Sabine Weyrer

Hoch über der Landeshauptstadt Klagenfurt auf dem Magdalensberg thront das gleichnamige Gipfelhaus, welches das ganze Jahr über mit herrlichen Weitblicken über Kärnten und bester Alpen-Adria-Küche zum Besuch einlädt. Und in der Küche geht es richtig „wild“ zu: Gemeinsam mit Mutter und Großmutter im Kräutergarten an den frischen Pflanzen riechen und hier und da ein paar der grünen und blühenden Kostbarkeiten für das Essen auszupfen – Marlene Skorianz kann sich noch gut daran erinnern, wie sie damals die Lehre von den Wildkräutern sprichwörtlich in die Wiege gelegt bekommen hat. Aus diesem Wissen heraus wurde über die Jahr eine fachkundige Kräuterpädagogin, die nun gar nicht anders kann, als jedes Gericht mit einer Blume oder einem Kraut zu verzieren. Von den eigentlichen Zutaten mal ganz zu schweigen:

Marlene Skorianz in ihrem Kräutergarten Foto: Sabine Weyrer

Wir bieten unseren Gästen diesen Sommer eine saisonale Wildkräuterrahmsuppe nach Omas Art an. Diese kommen frisch aus meinem Kräutergarten, je nach Saison variieren die Kräuter.“

Derzeit landen in Marlenes Suppentopf Scharfgarbe, Girsch, Gundelrebe, Vogelmiere und noch einige mehr. Die Grundsuppe wird dabei mit Kartoffeln verfeinert, die fein geschnittenen Kräuter anschließend überkocht, mit Rahm aufgemixt, anschließend noch etwas gewürzt und et voilà – fertig ist die „wilde Köstlichkeit“. Sich selbst nennt Marlene gerne mal scherzhaft „Kräuterhexe“, wenn sie aus ihrem Reichtum im Garten die köstlichsten Sachen zaubert – unter anderem auch herzhaftes Kräuterbrot, welches als Beilage zur Suppe serviert wird. Das schmeckt nicht nur, sondern ist obendrein auch zu 100 Prozent gesund. 

Ausblick von der Terrasse Foto: Sabine Weyrer
Das Gipfelhaus Foto: Sabine Weyrer

Verfeinert mit malerischen Weitblicken über den Süden von der Gipfelterrasse aus – rundum ein Seelenschmeichler. 

Zum Gipfelhaus Magdalensberg

Lust auf Luststock

Urig und gut - Wirtshaus Gelter Foto: Sabine Weyrer
Klare Suppn'n wie bei da Mama mit Lungenstrudel Foto: Sabine Weyrer
Klare Suppn'n wie bei da Mama mit Lungenstrudel Foto: Sabine Weyrer

Ich brauch den Namen der Suppe nur auf der Speisekarte zu lesen, dann kann schon ich den Duft von Luststock riechen, der damals durch das Elternhaus zog, wenn die Mutter am Herd ihre Kochkünste unter Beweis stellte“,

...erzählt Christian Gelter vom Wirtshaus Gelter in Goggerwenig. Seine Gerichte entführen Gäste in seine Kindheit und Jugend: „Wir starten unser Menü mit einer klaren Supp’n wie bei da Mama mit Lungenstrudel, als Hauptspeise wird ein gekochtes Schulterscherzel vom Kärntner Blondvieh mit Erdäpfelsoß, Gemüse und Kren serviert und als süße Kindheitserinnerung darf anschließend Vanillepudding mit Schlag und Himbeersoß nicht fehlen.“ Vor allem in der Suppe dominiert dabei eine Pflanze ganz besonders, der Luststock. 

Gekochtes Schulterscherzl vom Kärntner Blondvieh Foto: Sabine Weyrer
Vanillepudding mit Schlag und Himbeersoß Foto: Sabine Weyrer
Vanillepudding mit Schlag und Himbeersoß Foto: Sabine Weyrer

Warum? „Weil meine Mutter damals im Garten einen in der Größenordnung eines Baumes hatte, daher wurde dieser überall beigefügt“, erinnert sich Christian. Das Schulterscherzel liegt in seiner Zeit als Kochlehrling begründet: „Wir waren eine Familie mit sieben Kindern, da gab es solche besonderen Spezialitäten vom Rindfleisch nicht oft, daher hat mich das als Lehrling richtig fasziniert. 

Die Erdäpfelsoß ist hingegen noch ein Rezept meiner Mutter mit der Besonderheit, dass Essig und Essiggurken als Zutaten beigemengt werden.“ Und der Pudding als Nachspeise? „Ja, wer verbindet Vanillepudding denn nicht mit seiner Kindheit?“ Stimmt, also dann: Mahlzeit! 

Zünftiges Pfingstessen

Metnitztaler Schmalzmuas Foto: Sabine Weyrer
Metnitztaler Schmalzmuas Foto: Sabine Weyrer

Im Hotel Prechtlhof**** in Althofen führt die kulinarische Reise mitten hinein in die Täler Mittelkärntens. Genauer gesagt in das Gurktal, denn von dort kommt Hausherr Leopold Krassnitzer gebürtig her und ins Metnitztal, wo das „Metnitztaler Schmalzmuas“ seinen Ursprung hat. „Das traditionelle Schmalzmuas gab es bei uns immer zu Pfingsten“, erzählt Leopold. Wie man dieses zubereitet? „Mehl und Eier zum Gerstlteig vermengen, Milch mit viiieeel Butter und Zucker aufkochen, dann den Teig dazugeben, in einem breiten Topf umrühren, garen lassen, Rosinen beifügen, mit Zimt und Zucker verfeinern und fertig.“ Hervorragend passt auch Apfelmus dazu, wie der Hausherr weiß. 

Topfenreinkalan mit Salat Foto: Sabine Weyrer

Ebenfalls ein Klassiker aus seiner Kindheit sind die Topfenreinkalan von der Großmutter. „Das waren einfach weit und breit die besten und genau nach diesem Rezept machen wir sie auch heute noch!“

Jaja, die Mütter und Großmütter verstanden es eben, die Kinder anständig satt zu bekommen, bevor man wieder vergnügt aus der Küche sprang, um auf den nächsten Baum zu kraxeln, im Heu zu toben, Räuber und Gendarm zu spielen oder was einem eben gerade in den Sinn kam. Kind sein eben. Und was für ein Glück für uns, dass wir diesen Genuss auch heute noch erleben und verkosten dürfen.