• Gasthaus Plamenig

    Foto: Daniel Gollner Quelle: Gasthaus Plamenig
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Gasthaus Plamenig Gasthaus Plamenig Gasthaus Plamenig Gasthaus Plamenig

Gasthaus Plamenig

Manuel geht, Marcell kommt. Ein Leben nach dem Superstar.

Der Plamenig ist ein ziemlich normales Wirtshaus. Eigentlich. Ein abgelegener Ort des guten Geschmacks, der durch das Gastspiel eines Ausnahmekönners für kurze Zeit in der Champions-League geigte.

 

Ressi kochte nämlich wie Messi, nennt aber seit November den benachbarten Bärenwirt sein Eigen, was den Plamenig aber nicht ins Wanken bringt. Reload ist dort das Motto.

Was hat er mich entzückt, der Herr Ressi! Als absoluter Fan dem urbanen Treiben weit entlegener Landgasthäuser, also jenen Stilblüten, die ästhetisch-atmosphärisch noch einen Hauch 70er-Jahre und die Brise von Sparvereinssitzungen, Jägerstammtischen und Provinzhochzeiten mitbringen, erfüllte die Nachricht, der langjährige Sous-Chef des Steirerecks würde fortan das Gailtal mit seinem Handwerk erfreuen, mein Gastroherz mit polterndem Enthusiasmus. Bäng-Bäng. Auch die Tatsache, dass der erste Besuch mit Kind und Kegel mich und mein Navi ordentlich schwitzen ließ und der sympathische Hausherr, Alfred Plamenig, damals noch über keinerlei elektronischen Zahlungsverkehr verfügte, tat der Gaumenfreude keinen Abbruch. Trotz der acht Kilometer bis zum nächsten Bankomat. Mehrmals pilgerte ich fortan ins ruhige Latschach, dem Inbegriff dörflicher Einfachheit, um von Herrn Ressi lukullisch gepflegt zu werden. Ein grandioses Treatment übrigens. Und nun soll alles anders sein? Ressi ist weg, aber der Plamenig lebt. Und wie.


Gibt es ein Leben nach Ressi? Klar, denn Marcell Kunej pflegt sein Erbe.

Gasthaus Plamenig Foto: Daniel Gollner

Essen beim Plamenig passiert grundsätzlich in zwei Welten, die getrennt voneinander existieren und vom Hausherrn und seinem freundlichen Team mit Übersicht gut orchestriert werden. Auf der einen Seite die Stubn mit dem Stammtisch der Einheimischen. Beim Betreten überkommt einem als Ortsfremder auch gleich das Gefühl von der hiesigen Dorfbevölkerung ein wenig beäugt zu werden. Ist aber okay. Zumindest hier am Land. Und dann die ruhige Gaststube, die beim ersten Betreten eher als B-Ort des Lokals wahrgenommen wird, ist, was das Publikum betrifft, aber vor allem ästhetisch die absolute Gegenthese. Nur das stille Örtchen, in der Mitte des Ensembles gelegen, verbindet die beiden gegensätzlichen Welten zu einem ganzen Gasthaus. Soweit die Hardware.

Der neue ist bereits seit 30. April dieses Jahres für Herd und Ofen beim Plamenig verantwortlich. Marcell Kunej lernte in Hermagor, bevor es ihn zum Sonnhof, Saalbach/Hinterglemm und weiter nach London zog. Dort kochte er ein knappes Jahr bei Chefkoch Tim Richards im 1 Lambert Street-Restaurant. Der junge Kunej weiß natürlich, in welche Fußstapfen er da jetzt treten muss, hat Ressi doch sehr schnell ein anspruchsvolles Publikum angezogen und aufgebaut, das auch weiterhin verwöhnt werden will. Aus der vom Vorgänger initiierten zweigeteilten Traditions- und Innovationskarte schuf er ebenso ein Duett. Mit „Gailtalerisch guat“ und „International inspiriert“ will Kunej von Anfang an seine eigene Handschrift hinterlassen, ohne den erfolgreichen Weg ganz verlassen zu müssen.


Plamenig Spezial: Dreierlei vom Gailtaler Wildschwein.

Gasthaus Plamenig Foto: Daniel Gollner
Gasthaus Plamenig Foto: Daniel Gollner
Gasthaus Plamenig Foto: Daniel Gollner

Ein Dank den lokalen Waidmännern, die mir das Glück bescherten, das „Plamenig Spezial“, so was wie der Local Hero der Herbstkarte, in drei Gängen ausführlich auszukosten (€ 25,-). Die erste Tat stimmte mich schon happy. Kunej veredelt hierbei Gailtaler Blattsalate mit Parmesan, Zwetschke und Wildschweinbauch, eine mengenmäßig sehr gut gemeinte Portion, die das eh schon überragende Preis-Leistungsverhältnis des Plamenig weiter zementiert. Die Suppe ist erwartungsgemäß ausgezeichnet, kraftvoll und kommt mit Wildschweinleberknödel daher. Bravo. Der Hauptakt stellt das hochwertige regionale Produkt in den Vordergrund. Ganz ohne Schnick-Schnack, puristisch und selbstbewusst. Die geschmorte Wildschweinschulter und der gebratene Wildschweinrücken mit Apfel-Rotkraut und Kartoffelgnocchi beweisen letztendlich, dass Alfred Plamenig ein gutes Händchen hatte und mit Marcell Kunej jemanden gefunden hat, der die Ressi’schen Genussfestspiele weiterführen kann. Mutig, regional und nicht minder selbstbewusst. Das wird der Gailtaler Wirtshauskultur auch weiterhin sehr gut tun.

 

 

Gasthaus Plamenig

Latschach 1, 9624 Hermagor
Öffnungszeiten: Di.-So: 11:00 bis 00:00 (Küche bis 21 Uhr) Telefon: +43 660 653 10 20 (Alfred Plamenig)

 

Fazit: Ein Abstecher zum Plamenig lohnt sich nach wie vor, eben nicht nur um seinen Orientierungssinn zu fordern. Die Motivation für meinen nächsten Besuch nährt sich konkret aus der Vorstellung des Verzehrs gegrillten Karpfens mit geschmorten Rüben, Asche, Lauch und Sumach (€ 14,90). Gesehen bei „International inspiriert“.



Text: Stefan Heinisch, Fotos: Daniel Gollner

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