• Geschäftsführer Josef Habich stellt das Wimitzbräu vor

    Foto: HW

Wimitzbräu

Gefährlich ehrlich

Tom Wachtler

Kompromisslose junge Bierbrauer sind neuerdings im Kärntner Wimitzgraben zu Hause. Einst nannte man die Gegend "Tal der Gesetzlosen".

Wenn Hektik fehl am Platz ist, sagt man auf Österreichisch: "Nur nit hudeln. Vom Hudeln kommen die Kinder." Auf Hochdeutsch bedeutet das so viel wie: "Nur keinen Stress . . ." Der Rest der Redewendung erklärt sich für alle, die im Biologieunterricht aufgepasst haben, von selbst.

Ein frisch gezapftes Wimitzbräu Foto: Tom Wachtler

Vom Hudeln ist Josef Habich weit entfernt. Wer in seine Welt eintauchen will, muss sich eineinhalb bis zwei Stunden Zeit nehmen. Die meisten Gäste tun das gerne und bleiben, wie wir, länger. Viel länger. Denn nach der Führung gibt's immer die Verkostung. Prost!

Josef ist Geschäftsführer von Wimitzbräu, der jüngsten Privatbrauerei Kärntens. Ihre außergewöhnliche Geschichte beginnt schon Jahre bevor das Unternehmen 2011 zum ersten Mal Bier gebraut hat. "Mit meinem besten Freund bin ich nach dem Wanderreiten in der Nähe von St. Veit bei einem alten Braumeister eingekehrt. Er hatte sich daheim eine kleine Brauerei eingerichtet und uns auf ein Bier eingeladen", erzählt Josef, dem es damals - vorsichtig formuliert - "sehr gut" geschmeckt hat. "Ich habe noch nie so ein Bier getrunken! Es ist nicht bei einem geblieben und am Ende haben wir beschlossen: Wir werden jetzt auch Bier brauen!"

Wimitzbräu-Geschäftsführer Josef Habich im Gespräch Foto: Tom Wachtler

Gesagt, aber noch lange nicht getan. Denn zunächst dachten die munteren Wanderreiter beim Bierbrauen eher an eine fröhliche Freizeitbeschäftigung für den Eigenbedarf, bis der gelernte Betriebswirt Josef beim x-ten Durchrechnen des Vorhabens - wieder auf gut Österreichisch - erkannte: "Entweder wir machen das jetzt g'scheit oder gar nit." 

Zum Glück für alle Biertrinker entschied man sich für die Variante "G'scheit", holte noch zwei Partner an Bord und machte sich rund um St. Veit an der Glan auf die Suche nach der wichtigsten Zutat des Gerstensaftes: nach Wasser. "Und zwar nach dem dafür besten Wasser", wie Josef ehrgeizig ergänzt. Je weicher das Wasser (im chemisch-physikalischen Sinn) ist, desto süffiger wird das Bier, das man damit braut. 

Beste Zutaten für das Wimitzbräu Foto: Tom Wachtler
Die Wimitzbräu Bierbrauer bei der Arbeit Foto: Tom Wachtler
Kessel in der Wimitzbräu Brauerei Foto: Tom Wachtler
In Flaschen abgefülltes Wimitzbräu Foto: Tom Wachtler

Fündig wurde man nach Monaten im sogenannten Wimitzgraben nördlich von St. Veit. "Ausgerechnet da", seufzt Josef grinsend, um uns umgehend in die wenig idyllische Geschichte der malerischen Gegend einzuweihen: Im Mittelalter nannte man das kaum besiedelte Gebiet "das Tal der Gesetzlosen". Rebellen aus Wien wurden, wenn man sie - aus welchen Gründen auch immer - nicht köpfen wollte, in  den Kärntner Wimitzgraben verbannt. Die wenige Einheimischen pflegten dieses Image bis in das vorige Jahrhundert. Noch 1977 schafften sie es, einem Reporter des deutschen "Stern" nach ein paar Schnapserl einzureden, dass sich die Gendarmerie (heute Polizei) nicht in den Graben traut, weil es dort vor Schwarzfischern und Wilderern nur so wimmelt. Der Artikel soll, wie man sich erzählt, tatsächlich so erschienen sein.

Wimitzbach Foto: Tom Wachtler

Zurück in die Gegenwart, zu Josef und dem Wasser aus der nach der Besitzer-Familie benannten Lemisch-Quelle am Wimitzbach. Der Standort - die vier Freunde haben die Brauerei in unmittelbarer Nähe auf dem Areal eines ehemaligen Sägewerkes errichtet - hat dem Bier den Namen gegeben: Wimitzbräu. Und das Tal der Gesetzlosen steuerte den Werbeslogan "Gefährlich ehrlich" bei, der weit mehr als ein Werbeslogan ist. "Das ist unsere Firmenphilosophie", erklärt Josef.

Ehrlich ist man, weil die jungen Wimitzer ausnahmslos reinstes Bier brauen. Das Wasser ist "unbehandelt". Es wird so verwendet, wie es gleich ums Eck aus der Quelle sprudelt. Die Gerste liefern acht Bio-Bauern aus der Umgebung. Nur den Bio-Hopfen bezieht man, weil in Kärnten derzeit keine Anbauflächen vorhanden sind, noch aus Oberösterreich. 

Gebraut werden damit das Wimitzer Märzen, das Wimitzer Weizen und das Wimitzer Lemisch, ein nach der Besitzerfamilie der Quelle benanntes dunkles Bier. "Wir sind ganz bewusst keine Spezialitätenbrauerei mit ausgefallenen Nischenprodukten", sagt Josef. "Unser Anspruch klingt einfacher, ist aber im Endeffekt wahrscheinlich herausfordernder: Wir wollen ein Bier brauen, das in unserer Region gern getrunken wird." Und das wird es. Wimitzbräu beliefert Gastwirte im Bezirk St. Veit und mittlerweile auch darüber hinaus. Tendenz steigend. 

Zapfhahn bei Wimitzbräu Foto: Tom Wachtler
Josef Habich zapft ein Wimitzbräu Foto: Tom Wachtler
Zapfanlage Wimitzbräu Foto: Tom Wachtler
"Gefährlich ehrliche" Firmenphilosophie Foto: Tom Wachtler

In einigen Kärntner Geschäften sind die Biere aus dem Hause Wimitzbräu mittlerweile ebenfalls erhältlich, vorausgesetzt der kleine Betrieb ist gerade lieferfähig. "Unser Bier muss ungefähr sechs Wochen reifen, bis es fertig ist. Wir arbeiten ohne Tricks. Kein Prozess wird künstlich beschleunigt oder unterstützt. Es kann deshalb schon einmal vorkommen, dass gerade kein Bier da ist", räumt Josef ein. Das ist seine Erklärung für das "Gefährlich" im Unternehmensmotto "Gefährlich ehrlich". Man hätte es bequemer haben können, aber wer ausgerechnet im Tal der Gesetzlosen eine Brauerei aufbaut, ist wohl nicht der Typ dafür.

Wimitzbräu wird immer klein und fein bleiben, weil die Natur der Expansion Grenzen setzt. "Wir können nur so viel Bier brauen, wie die Quelle hergibt. Das sind höchsten 8000, vielleicht 9000 Hektoliter im Jahr", verrät uns Josef. Derzeit schöpft man ungefähr die Hälfte des Potenzials aus. "Die bisherige Entwicklung ist eigentlich ein Wahnsinn gewesen", sagt der Geschäftsführer und greift zum Zapfhahn. Das Wimitzer Märzen haben wir schon gekostet. "Darf man sagen, dass ein Bier weich schmeckt?", frage ich Josef. Er nickt: "Das ist das Wasser und der vergleichsweise geringe Kohlensäuregehalt."

Während man uns ein Wimitzer Weizen einschenkt, sehe ich vor der Brauerei eine Frau mit einem weißen Plastikkanister aus dem Auto steigen. Kann man hier so das Bier "ab Hof" beziehen?! "Nein", lacht Josef. "Verkauft wird in Flaschen. Aber wir haben draußen einen Brunnen, bei dem viele Leute unser Wasser holen. Früher soll damit aber vor allem Schnaps gebrannt worden sein. Heute verwenden es die Nachbarn für ihre Dampfbügeleisen. " 

Ich grinse. Das Tal der Gesetzlosen ist auch nicht mehr das, was es einmal war. 

Wimitzbräu

Wimitz 7, 9311 Kraig
Telefon +43 4212 30930
brauerei@wimitzbraeu.com
www.wimitzbraeu.com 

Geöffnet von Montag bis Donnerstag, 08:00 bis 16:00 Uhr, Freitag 08:00 bis 13:00 Uhr
Führungen nach telefonischer Voranmeldung