• Lesachtaler-Stockplattl´n

    Foto: Carletto Photography
  • Wildkarpfen im Wurzelsud

    Foto: Puch Johannes Quelle: www.johannespuch.at
Lesachtaler-Stockplattl´n Wildkarpfen im Wurzelsud

Wie sich die Kärntner Weihnachten schmecken lassen.

Von Karpfen, grünen Würsten und Stockplattln

Elisabeth Tschernitz-Berger

Josef, Maria, Ochs, Esel und das Jesuskind in der Krippe, ein leuchtender Christbaum in der Stube, ein kapitaler Karpfen, eine knusprige Gans oder Würsteln mit Kraut am festlich gedeckten Tisch – das ist Weihnachten in den meisten Kärntner Haushalten. 

Wenn auch jede Familie ihre eigenen Traditionen pflegt, so folgt man in den verschiedenen Tälern doch noch immer den jahrhundertelang überlieferten Bräuchen. So dürfen in Südkärnten die „grünen Würste“ nicht fehlen und im Lesachtal die Stockplattln.

Traditionell fällt in Kärnten das Essen am Heiligen Abend eher karg aus.

Wildkarpfen im Wurzelsud Foto: Puch Johannes

Nach alter christlicher Überlieferung galt die Adventzeit ursprünglich als Fastenzeit. Der Heilige Abend als Höhepunkt des Advents und Vorabend des Weihnachtsfestes sollte besonders, aber nicht zu üppig gefeiert werden. In der heutigen Zeit ist es meist umgekehrt: da folgt die Fastenzeit erst nach Weihnachten, weil die meisten zu viel gevöllert haben.

Der Karpfen, der gerade um diese Zeit schön fett war, eignete sich besonders als Fasten-Fest-Speise. Wenn er auch vor allem in Ostösterreich das weihnachtliche Essen krönte, so hält er auch in Kärntner Küchen immer öfter Einzug. Der Grund: die Kärntner Fischproduzenten spezialisieren sich vermehrt auf die Karpfenzucht. Kein Wunder, ist doch der Süßwasserfisch nicht nur wohlschmeckend, sondern auch reich an ungesättigten Fettsäuren. Was allerdings zu Weihnachten eher nebensächlich sein dürfte. Was noch für den Karpfen spricht: Steckt man eine Schuppe desselben in die Brieftasche, soll sie das ganze Jahr über Reichtum garantieren.

Früher wurde der kapitale Fisch, der bis zu fünf Kilo wiegen darf, am Vortag ausgenommen und über Nacht in Buttermilch eingelegt, um einen etwaigen Schlammgeschmack zu eliminieren.

 

Als die Fische noch in Naturteichen dümpelten und dann herausgefischt wurden, kam es vor, dass sie noch ein paar Tage vor Weihnachten in der Badewanne schwammen, um ihn zu „wässern“.

Heute achten die Kärntner Fischproduzenten auf klares, sauberes Wasser, was dem Geschmack des Fisches sehr zuträglich ist. Karpfen lässt sich auf vielerlei Art zubereiten. Entweder „blau“, also in Wurzelgemüse gekocht, im Rohr gebraten oder in Stücke geschnitten und paniert. Dazu gibt’s g´schmackigen Erdäpfelsalat.

Grüne Wurst und Sauerkraut

Selchwürste mit Sauerkraut Foto: Puch Johannes

Doch was ein traditionsbewusster Haushalt in Südkärnten ist, der kommt nicht ohne die „grüne Wurst“ aus. 

Meist wurde knapp vor Weihnachten ein Schwein geschlachtet, sodass die frische, ungeräucherte Wurst gerade recht zum Weihnachtsabend kam.

Dazu werden geschmalzenes Sauerkraut oder saure Rüben und Rösterdäpfel mit viel Zwiebel gereicht. 

Die Lesachtaler Stockplattln

Lesachtaler-Stockplattl´n Foto: Carletto Photography

Im Lesachtal leben die alten Adventbräuche noch weiter wie eh und je. Dort stapfen die Menschen nicht nur durch den tiefen Schnee in die Rorate (Frühmesse in der Adventzeit), jede Hausfrau bäckt auch ihr eigenes Kletzenbrot, das mit Nüssen und getrockneten Birnen (Kletzen) oder Zwetschken gefüllt wird – nicht  nur im Lesachtal eine süße Krönung zu Weihnachten.  

Keine Oberkärntner Weihnacht ohne Dampfnudeln mit Honigschmalz oder die Lesachttaler Stockplattln. Das sind Schichten aus Germteig in Schmalz herausgebacken und zwischen einzelnen Schichten mit Schwarzbeeren gefüllt. Für jedes Familienmitglied ein Plattl, heißt es. Darüber wird reichlich Honigbutter  gegossen. Die Fastenspeise ist daher eher ein Lippenbekenntnis.

Der Christtag

Had´n Keks mit Zimt Foto: Carletto Photography
Vanillekipferl Foto: Carletto Photography
Whisky Trüffel mit Nockland Whisky Foto: Carletto Photography

 Am Christtag, den 25. Dezember, darf dann gefeiert werden. Am Festtagstisch findet man knusprig braune Weihnachtsgänsen, gebratenen Truthahn, gefüllten Braten oder einen Karpfen, wenn man ihn nicht schon am Weihnachtsabend verspeist hat. Als Nachtisch werden Keksen aufgewartet, wenn man sie nicht schon in der Adventzeit weggenascht hat. Es ist der Ehrgeiz jeder Kärntnerin, mindestens fünf Sorten Kekse zu backen. Nach Omas Rezepten – versteht sich. Vanillekipferln, Husarenkrapfen, Schokobusserln, Linzerradeln, Zimtsterne sind absolute Dauerbrenner.

In diesem Sinne – ein schönes und köstliches Weihnachtsfest.

Adressen:

30„Danke Bauer“, verkauft auf verschiedenen Bauernmärkten und im Internet Würste aber auch selbstgemachte Weihnachtskekse, gemacht von Bauernhand. www.dankebauer.com 

Reinhard und Gerti Prutej aus Wiederndorf bei Bleiburg sind als Salamikönige prädestiniert für die Herstellung von Selch-, Brat- und grünen Würsten. www.petzenschinken.at 

Die Kärntner Direktvermarkter sind in einem Verzeichnis der Landwirtschaftskammer Kärnten aufgelistet. So kann sich jeder seinen Wurst-Lieferanen des Vertrauens aussuchen. www.gutesvombauernhof.at