• Foto: Franz Gerdl Quelle: NAK Lesachtal
  • Foto: Mayer Quelle: TVB Lesachtal
Lesachtaler Gertreidekörner rieseln durch die Hände. Aufgeschnittener Brotlaib vorm offen befeuerten Backofen

Lesachtaler Brot

Brot als Weltkulturerbe

Elisabeth Tschernitz-Berger

„Schen is worn“, lobt die Lesachtaler Bäurin Veronika Windbichler vom Mattlerhof bei Maria Luggau. Und himmlisch gut riecht es auch noch. Gemeint ist der Brotlaib, den Veronika geschickt mit einer langen Schiebe aus dem Holzbackofen zieht. Knusprig braun ist es und zum Dank für das „täglich Brot“ wurde es mit den Buchstaben IHS („Wir haben Jesus als Gefährten“) verziert.

Das Lesachtaler Brot ist so einzigartig, dass es von der Unesco zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Eine Ehre, die sonst nur Landschaften oder Bauwerken zuteil wird. Doch im Lesachtal, dem abgelegenen Hochtal am westlichsten Zipfel Kärntens, bedeutete Brot Leben. Wenn man beobachtet, wie das Getreide unter widrigen Umständen den steilen Berghängen abgerungen wird, kann man dessen Wertschätzung erst verstehen.

Sonnenblumen-, Kürbiskerne, Leinsamen, Salz, Wasser, Brotgewürz, drei Sorten Mehl und Sauerteig – das sind die Zutaten für Veronikas Brot. Was es so besonders macht? Die Bäuerin lässt ihm viel Zeit zum Gehen, knetet den Teig hingebungsvoll und geht verschwenderisch mit dem Mehl um, damit „der Tag nit auf die Finger klebt“. Veronika braucht keine Waage für die Zutaten, das Rezept beruht auf jahrzehntelanger Erfahrung. Wenn dann ein verführerischer Duft durchs Haus zieht, ist das Brot fertig - kein Vergleich mit demjenigen aus dem elektrischen Backrohr.

Das naturbelassene Lesachttal wird auch „Tal der tausend Mühlen“ genannt. Noch heute klappern Mühlräder, angetrieben vom klaren Gebirgsbach, ganz romantisch in Maria Luggau. Wandert man den Mühlenweg entlang, kann man noch zusehen, wie das im Tal angebaute Korn zu Mehl gemahlen wird – getrieben von den hölzernen Wassermühlen.

Wie Windbichler machen es noch viele Bäurinnen von Liesing bis Maria Luggau auf ihren Höfen, die oft wie Vogelnester auf den steilen Berghängen kleben. Im Lesachtal ist es Ehrensache, das Brot selbst zu backen. Auch an den Traditionen hält man eisern fest, zum Beispiel das Zeichnen von drei Kreuzen auf die Rückseite vor dem Anschneiden oder das Stecken eines Palmkreuzchens in den Getreideacker.

Davon erfährt man beim traditionellen Mühlenfest im August in Maria Luggau oder beim Lesachtaler Brotfest im September in Liesing. Damit die Gäste am „Brot des Lebens“ mitnaschen können, haben sich Wirte des Tales zu den Brotwirten zusammengetan.

Andächtig kauend, spürt man bei jedem Bissen das Besondere an der Einfachheit dieses Lebensmittels. „Brot ist Leben“, das lehrt einen das Lesachtal.