• Mohntörtchen mit Grantnschleck

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Die Nachspeise für Schleckermäuler

Grant'nschleck

Elisabeth Tschernitz-Berger

Sie klingen fast wie eine Liebeserkärung an Koch und Köchin – die liebevollen Kärntner Ausdrücke für Süßspeisen. Schon an den Namen zeigt sich, mit wie viel Leidenschaft in Kärnten gekocht wird. Da gibt’s die Kletzenniggalan mit Rieslingcreme, das Mandlmiaßl mit Bertramstrudel, die Scheckate Gas, den Nackaten Buam mit Mostschaum und den Grantnschleck – meine heimliche süße Liebe.

Der rosarote Grantnschleck ist die Personifizierung des Pikant-Süßen, des hingebungsvollen Naschens und des Genießens. Nach dessen Verzehr leckt man sich unwillkürlich genüsslich den Mund ab. Sooo gut. Daher wohl der Name „Grantnschleck“.

Fast hätte ich vergessen, all jenen zu erklären, worauf sie sich beim Grantnschleck einlassen. Denn man muss zugeben, dass diese himmlische Süßspeise fast nur den Kärntnern firm ist. Eine hochdeutsche Übersetzung gibt es dafür leider auch nicht.

Aber beginnen wir bei den Grantn. Sie haben auf jeden Fall nichts mit „Grant“ zu tun, denn die Preiselbeeren, die im Herbst wie kleine rote Tupfen aus den Almböden über 1000 Metern lugen, sind wahre Powerbeeren - reich an Vitamin C und allen B-Vitaminen. Grantig könnte man höchstens beim Sammeln werden, denn man muss ordentlich zupfen, um sie vom Stengel loszueisen. Gescheite Wörterbücher leiten den Namen vom lateinischen Wort „granum“ (Korn) ab.

Man sammelt sie im Herbst, bevor der Winter die Almen mit Schnee zudeckt. Da sind sie dann richtig schön rot und reif und haben die ganze Kraft des Sommers in sich vereint. Doch beim Grantnschleck denkt man nicht vordergründig an die Gesundheit sondern vor allem an den sündigen Geschmack. Praktisch allerdings, wenn man beides kombinieren kann.

Hier sei ein ganz einfaches Rezept verraten, das jeder nachmachen kann: man nehme Preiselbeermarmelade oder -kompott und verrühre sie mit steif geschlagenem Schlagobers. Um die Creme leichter zu machen, kann man etwas sauren Rahm oder Joghurt dazugeben und süßt mit Zucker oder Honig nach Geschmack. Man kann den Grantnschleck auf ein Bisquit streichen, in ein Bisquit-Stanitzel füllen oder ganz „ohne“ genießen. Die herbe Süße passt sogar zu Wildgerichten.

Wer sich mit Grantnschleck verwöhnen lassen will, schaut am besten im Gasthof Tschebull in Egg am Faaker See vorbei, dort ist man auf typische Kärntner Kost spezialisiert. Auch der Metzgerwirt in Radenthein ist ein Meister des Grantenschlecks. Manchmal bekommt man ihn auch im Nock IN, neben der Bergstation der Brunnachbahn in St. Oswald.

Noch ein Tipp: Überall in Kärntner Bergregionen, wo man Preiselbeeren findet, versteht man sich auf den Grantnschleck. Einfach danach fragen, nichts ist so schnell gemacht, wie diese feine Süßspeise.