• Sepp Brandstätter mit Maiskolben

    Foto: Daniel Gollner
  • Sepp Brandstätter bei der Ernte

    Foto: Daniel Gollner
  • Sepp Brandstätter im Maisfeld

    Foto: Daniel Gollner
  • Landmais händisch ernten

    Foto: Daniel Gollner
Sepp Brandstätter mit Maiskolben Sepp Brandstätter bei der Ernte Sepp Brandstätter im Maisfeld Landmais händisch ernten

Der weiße Gailtaler Landmais, ein europäisches Phänomen

Stefan Heinisch

Sepp Brandstätter ist ein Dickkopf, könnte man sagen. Aber auch ein herzlicher Gastgeber und hartnäckiger Landwirt, der beseelt von der Idee, eine komplett glutenfreie Landwirtschaft aufzubauen, der Erhaltung einer alten Sorte wie dem weißen Gailtaler Landmais ordentlich Rückenwind verschafft. Und vor allem, weil er das Wissen seines Vaters anzapfte, im richtigen Moment.

Dass ihn manche dafür „zum Deppn erklärt“ haben, ist ein Nebeneffekt, der ihn sogar etwas stolz macht.

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung, die bei entsprechender Bereitschaft durch den Genuss glutenhältiger Speisen ausgelöst wird. So kann man das nachlesen. Als ich Sepp Brandstätter an einem trüb-hochnebeligen Herbstnachmittag auf seinem Hof in Würmlach bei Kötschach-Mauthen besuchen durfte, ahnte ich keinesfalls, dass eine tiefere Auseinandersetzung mit diesem Thema folgen würde. Da wusste ich aber noch nicht, dass der Verzehr von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Einkorn die Schädigung der Dünndarmschleimhaut verursachen kann, wenn man unter dieser Krankheit leidet. Das tun aber ca. 1% der Weltbevölkerung. Eine Zahl, der laut Prognose zu erwartenden Bevölkerungsanzahl Deutschlands im Jahr 2060. 73 Millionen Menschen wissen daher, über was ich hier schreibe.

Die Geschichte einer kleinen Kärntner Landwirtschaft, die sich im Agrarkosmos der EU sehr gut positioniert.

von den Maiskolben die Federn entfernen Foto: Daniel Gollner
Landmaiskolben Foto: Daniel Gollner
Maiskolben zum Trocknen aufhängen Foto: Daniel Gollner

Die Kinder und ihre Neugier sind wieder mal Schuld. „Papa, was ist das und wie funktioniert es?“ So weckten die Erben beim Anblick der hofeigenen alten Mühle auch das Interesse des Landwirts, der knapp 10 Hektar Feld in dem knapp 350 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Kötschach-Mauthen bewirtschaftet. „Dann musste der Vater her“, erzählt Sepp Brandstätter über seine ersten Berührungspunkte mit dem alten Handwerk. „Er zeigte uns, wie man Maismehl mahlt“ und damit erfuhr der geliebte „Sterz“ - wie man Polenta hier im Süden Österreichs nennt - eine Renaissance auf den Tellern der Brandstätters. Sepp entwickelte daraufhin ein Gespür und Bewusstsein für die schon fast vergessenen alten Geräte, die handwerklichen Fähigkeiten und Lebensweisen am Hof.

Was nun folgt, liest sich wie ein Agrarmärchen. Der Anbau des weißen Gailtaler Landmais, einer alten regionstypischen Sorte, nahm seinen erfolgreichen Lauf. Wohlgemerkt, beflügelt von den ermutigenden Erkenntnissen einer Diplomarbeit eines deutschen Studenten der Universität Weihenstephan, der sich gleichfalls für alte Maissorten interessierte.

Ab Hof Verkauf:
Glutenfreies Maismehl und glutenfreier Maisgries
Sepp Brandstätter
9640 Würmlach 37, Kärnten
Tel.: + 43 4715 8358
Fax: +43 4715 8358
www.landmais.com

 

Der „Agrarius 2004“, eine der landwirtschaftlichen Innovation huldigenden Auszeichnung, viel Neid aus der Nachbarschaft sowie die Produktionsanfrage des REWE-Konzerns (die Sepp gut überlegt ablehnte) sollten noch folgen. Mein Gott, ein Teufelskerl! Cool Nein zu sagen, wenn Billa und Merkur im Gailtal anklopfen, dazu braucht es schon eine ordentliche Portion Schneid.

Nachdem die Europäische Union ihre Geräte für die Messung der Glutenfreiheit auf Brandsätters’ Reinheit kalibriert, muss der Dickkopf wohl was richtig gemacht haben.

Landmais vom Kolben entfernen Foto: Daniel Gollner
Weißer Gailtaler Landmais Foto: Daniel Gollner
Getreidemühle Foto: Daniel Gollner
Weißer Gailtaler Landmais gemahlen Foto: Daniel Gollner

Der Sepp ist geprüfter Bergführer und betreibt mit seiner Frau auch noch 10 Gästebetten als Privatvermieter. „Aber eigentlich“, so sagt er lächelnd, „mache er schon mehr Umsatz mit den Hofführungen und seiner glutenfreien Landwirtschaft. So kann ich zuhause bleiben und muss erst gar nicht auf den Bergen herumklettern“, erklärt er die Moral der G’schicht. Auch ich merke schnell, dass hier jemand genau weiß, was er tut. Brandstätter hat sich von Beginn an „seinen“ weißen Landmais als eingetragene Wort-Bild-Marke EU-weit schützen lassen. Denn der Mut zum Experiment – und nichts Anderes ist die Umstellung einer herkömmlichen Landwirtschaft auf komplett glutenfreie Produktion – soll auch belohnt werden. Zwar gewährt Brüssel einen Zuschuss von 200 Euro pro Hektar für die Erhaltung alter Sorten in der europäischen Landwirtschaft, aber die Qualität und Verknappung des Produkts sorgen sowieso für einen guten und fairen Preis. Und nichts mehr will der Kärntner Landwirt, eine Art Energieausgleich für ein sauberes Werk: Glutenfreies Maismehl und glutenfreier Maisgries.

Rückenwind aus der gehobenen Gastronomie war von Anfang an sehr wichtig für die Motivation diesen neuen Weg auch konsequent weiter zu gehen. So erkannte Sissy Sonnleitner, lokale Symbolfigur für gehobene Landhausküche, von Anfang an den Wert des regionalen Produkts, das sie für ihre Küche bei den Brandstätters angefragte. In der Verarbeitung besteht die große Herausforderung darin, eine Kontaminierung bei der Ernte und Verarbeitung des Mais auszuschließen. Sollte das ein einziges Mal nicht gelingen und der Prüfbericht der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) negativ ausfallen, dann wäre das Wohl der Ruin einer nachhaltigen Idee. Ein einziges Weizenkorn, das sich irgendwie auf den Hof schummeln könnte, würde die wirtschaftliche Existenz der Brandstätters bereits ins Wanken bringen. Als Sepp eine neue Mühle für seine Produktion bei den Osttiroler Getreidemühlen in Auftrag gab, war die Herstellung in einem komplett glutenfreien Umfeld eine Grundbedingung, da das Mahlwerk bei einem fabriksinternen Probelauf, der naturgemäß vor Auslieferung stattfindet, bereits mit glutenhältigem Mehl verschmutzt werden könnte.

Weißer Gailtaler Landmais abgepackt Foto: Daniel Gollner
Qualitätskontrolle Foto: Daniel Gollner

Sepp Brandstätter ist ein Idealist. In seinem Kampf gegen Agrar-Chemie und Dünger zeigt er, wie der respektvolle Umgang mit dem Boden und die Anwendung eines fast vergessenen Handwerks, alte Sorten wie den Gailtaler Landmais, auch wirtschaftlich wieder salonfähig macht. Und das tut er nicht nur für seine Kinder, die ihm einst die Weichen für eine Neuorientierung stellten. Heute kann seine Familie sehr gut davon leben. Immerhin bewirtschaftet er die einzige derart reine Landwirtschaft in Österreich. Sepp Brandstätter schuf mit seiner präzisen, leidenschaftlichen Arbeit eine Art europäische Nulllinie, den ultimativen Referenzwert für die Messung von Glutenfreiheit in Produkten aller Art, an dem sich Brüssel orientiert. Chapeau!

Herr Sepp Brandstätter
Adresse
Würmlach 9640
Email
info@alpin-brandy.com
Telefon
+ 43 4715 8358
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