• Galerie der Mostbarkeiten im Zogglhof

    Foto: Lea Friessner Quelle: Mostbarkeiten - Mostland St. Paul

Der edle Geist des Lavanttales

Lea Friessner

Die alten Obstbäume, die das Bild des Kärntner Lavanttales prägen, werfen gerade die Blätter ab und bereiten sich auf die Winterruhe vor. Noch lange nicht vorbei ist die Saison am St. Pauler Zogglhof, dem Kompetenzzentrum der Genussregion Mostbarkeiten. Jetzt stehen die begehrten Brennseminare an, die Besucher aus dem In- und Ausland anlocken. Auch Seminare zur Apfelwein-, Likör,- und Essigherstellung werden angeboten.

Der Zogglhof

Die Brennanlage im Zogglhof ist im Dauereinsatz Foto: Lea Freissner
Obmann Hans Köstinger bei der geistigen Arbeit Foto: Lea Friessner
Vom Rosmariner bis zur Lavanttaler Banane: Die Mostbarkeiten kultivieren alte Obstbaumsorten Foto: Lea Friessner
Sortenreiner Apfelwein mit niedrigem Histamingehalt und vollem Geschmack Foto: Lea Friessner

Ein älteres Paar bedient gerade fachmännisch die Brennanlage im Zogglhof, als wir das Lavanttaler Kompetenzzentrum für Obstverarbeitung, einen alten Gutshof in St.Paul, betreten. Sie wirken wie Profis und erklären uns mit Witz und Enthusiasmus was sie hier machen. Die Veldener Pensionisten sind aber (noch) gar keine richtigen Profis, sie haben erst letztes Jahr das Brennseminar am Zogglhof besucht und produzieren nun ihren ersten eigenen Schnaps. Zwetschken- und Birnenmaische haben sie heute schon gebrannt. Und ich soll gleich die Nase in das Glas halten und erkennen welchen Schnaps ich vor mir habe. Ich kann nur raten, liege aber mit meinem Tipp „Birne!“ goldrichtig und fühle mich auch gleich (fast) wie ein Profi. Hans Köstinger, Obmann und ideengebender Motor des Vereins Mostbarkeiten, bremst meine Euphorie: „Schnaps ist nicht das richtige Wort, Schnaps ist immer ein industrielles Produkt. Vor dir steht aber ein Brand“. Und ich erfahre noch viel mehr, das ich vorher nicht gewusst habe. Als Herr Köstinger uns eine Kostprobe des bekannten Mostes einschenkt, folgt gleich die nächste Überraschung: Auf der Flasche, die wie eine Weinflasche aussieht und sie überraschenderweise auch ist, steht: „Apfelwein – Lavanttaler Banane“. Die Lavanttaler Banane, eine uralte Apfelsorte, die auch im Garten meiner Schwiegermutter wächst, erstaunt mich weniger als der Name als auch die Farbe des eingeschenkten Mostes. Hans Köstinger klärt uns auf: „Sortenreiner Apfelwein braucht keine Farbe, die meisten Leute sind verwundert und erwarten eine dunklere Farbe. Der klassische Most kommt von alten Streuobstwiesen und ist auch dunkler, der Apfelwein ist aber immer sortenrein.“ Und er schmeckt auch wirklich köstlich!


Mostbarkeiten

Der Zogglhof in St. Paul im Lavanttal Foto: Lea Friessner
Bäuerliche Obstverarbeitungsprodukte aus dem Mostland St. Paul Foto: Lea Friessner
Obmann und ideengebender Motor der Mostbarkeiten: Hans Köstinger Foto: Lea Friessner
Auch die besten bäuerlichen Essige können am Zogglhof verkostet werden Foto: Lea Friessner

Hans Köstinger hat den Zogglhof mitaufgebaut und ist seit den Anfängen 1995 mit dabei: Besonders stolz ist der Verein Mostbarkeiten, der den Zogglhof betreut, auf die Alpen Adria Verkostung. Bis zu 1400 verschiedene Produkte werden hier jährlich eingereicht und seit mittlerweile zwanzig Jahren von einer professionellen Jury verkostet und prämiert. Die Preisverleihung findet Jahr für Jahr auf der traditionellen Mostmesse am Zogglhof statt, die Produkte kommen aus Österreich, Deutschland, Italien , Slowenien, aber auch Exoten aus Südafrika oder der Ukraine finden sich immer wieder unter den Einsendungen. Alle bekommen ein sensorisches Urteil und eine Laboranalyse, es geht neben dem Prämieren der besten Produkte vor allem um Qualitätssicherung. Vor zwanzig Jahren, als die Alpen Adria Verkostung entstand, gab es Prämierungen nur für Destillate. „Vor allem gab es aber keine Eingrenzung auf bäuerliche Produktion“ sagt Köstinger. Seit damals werden die besten bäuerlichen Fruchtweine, Säfte, Brände, Liköre und Essige jährlich prämiert.


Seminare

Seminar- und Verkostungsraum des Vereins Mostbarkeiten Foto: Lea Friessner

Neben der Alpen Adria Verkostung sind es die Seminare, die Besucher aus dem In- und Ausland anlocken: Rund 200 Menschen besuchen jeden Winter die Weiterbildungsveranstaltungen am Zogglhof. Nicht nur Produzenten, sondern vor allem auch Konsumenten will der Verein ansprechen: „Die Konsumenten sind die besten Multiplikatoren, der Konsument soll sich orientieren können, welches ein echtes Produkt ist und welches ein Industrielles“ erklärt Köstinger.  

Die Seminare sind auch historisch gewachsen: Der Zogglhof ist im Besitz des St. Pauler Benediktinerklosters und hat dem Verein den Gutshof unentgeltlich für zwanzig Jahre zur Verfügung gestellt. „Das Thema Bildung ist für die Benediktiner ja neben Obstbau und Landwirtschaft ein wesentlicher Faktor“ erklärt der Vereinsobmann. Deshalb sind die Seminare im Sinne des Klosters und die Gegenleistung des Vereins für das Entgegenkommen der Benediktinermönche. „Das spannendste an den Seminaren ist das Kennenlernen der Teilnehmer sagt Köstinger: „Vor allem abends, wenn die Brände verkostet werden, ist es ein geselliges Miteinander, ein Fachsimpeln auf hohem Niveau“. 

Auch das Pensionistenpaar, das inzwischen stolz zwei Kisten selbstgebrannten Schnaps, nein Brand, vor sich stehen hat, kann das nur bestätigen: „Das Brennseminar war eine ganz tolle Erfahrung.“


Obstbaumuseum, Mostlandexpress, Produktvielfalt

Alte Brennanlage im Lavanttaler Obstbaumuseum Foto: Lea Friessner
Die Geschichte der bäuerlichen Obstverarbeitung: Das Lavanttaler Obstbaumuseum im ersten Stock des Zogglhofs
Foto: Lea Friessner

Aber auch abseits von Seminaren, Alpen Adria Verkostung und Mostmesse hat der Zogglhof viel zu bieten: Immer wieder führt Hans Köstinger Reisegruppen durch sein Reich. Urlauber und Einheimische lassen sich von ihm in die Welt der Obstverarbeitung einführen, genießen kommentierte Verkostungen und tauchen in die historischen Anfänge der Mosterzeugung ein: Im ersten Stock des Zogglhofs ist das „Lavanttaler Obstbaumuseum“ untergebracht, durch das Köstinger interessierte Gruppen begleitet. Und nach den Führungen ist natürlich das Verkosten in geselliger Runde angesagt. 

Intensiv wird auch an der Weiterentwicklung des Apfelweins gearbeitet. Vor allem der niedrige Histaminwert spricht für den hier hergestellten Wein, was vor allem für Allergiker wesentlich ist. Hans Köstinger lacht und sagt: „Ein Experte, Professor Jarisch, beschreibt die Wirkung von Apfelwein so: Wenn jemand von einem Apfelwein Kopfschmerzen bekommen will, musst du ihm die Flasche auf den Kopf hauen!“ 

Das sympathische Lachen von Hans Köstinger und seine ungekünstelte Expertise bleibt uns im Gedächtnis, als wir die Heimfahrt durch das herbstliche Kärnten antreten. Das Zitat von Goethe, dass der Verein Mostbarkeiten auf seiner Webseite anführt, wird am Zogglhof Tag für Tag mit Witz und Leidenschaft gelebt: 


"Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden; 
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun." 
Autor: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter 

Tipp:

  • Besichtigung des Kompetenzzentrums mit Essig-, Brenn- und Abfüllanlage
  • Kommentierte Verkostungen von Obstweinen, Fruchtsäften, Bränden, Likör, Essig
  • Führung durch das Obstbaumuseum
  • Einkaufsmöglichkeit in der Galerie der Mostbarkeiten mit reicher Produktvielfalt 
  • Mittagessen bei einem der Mostbarkeitswirte 
  • Fahrt mit dem Mostlandexpress 
  • Schaubauernhof: die Mitgliedsbetriebe der Mostbarkeiten besichtigen
  • Wanderung durch das Mosti-Land


Seminare zum Einmaischen, Brennen, Apfelweinerzeugung, Likörerzeugung, Essigherstellung, Obstbaumschnitt, Veredelung.
Anmeldung unter www.mostbarkeiten.at

 

Mit dem St. Pauler Mostlandexpress fahren Sie bequem durch das Paradies des Lavanttales. Erleben Sie das Mostland mit seinen Mostbarkeiten: Bei jeder Fahrt sind Most, Apfelsaft und Mineral an Bord und im Preis enthalten. Kontakt: info@mostlandexpress.at 

Mostbarkeiten - Mostland St. Paul, Zogglhof
Herr Hans Köstinger
Adresse
Hundsdorf 2 St. Paul im Lavanttal 9470
Email
mostbarkeiten@gmx.at
Telefon
+43 664 5202617
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