Daheim am Stand 17

Lea Friessner

Der Duft von würzigen Kräutern und gebratenem Gemüse steigt uns in die Nase, während wir an einem strahlenden Vormittag bei einem frisch gepressten Saft in einem gemütlichen Stand am Klagenfurter Benediktinermarkt sitzen. Nini Loudon kocht schon seit 8.00 Uhr in der Früh, ihr „Stand 17“ ist einer der beliebtesten Marktstände der Landeshauptstadt. 

Stand 17_Nini Loudon Foto: Lea Friessner
Stand 17_Nini Loudon beim Kochen Foto: Lea Friessner

Mitte September waren es bereits drei Jahre in denen Loudon ihre Gäste von Dienstag bis Samstag (11.30 Uhr – 14.30 Uhr) mit ihren Kochkünsten beglückt. Loudon wirkt sympathisch, ungekünstelt, authentisch. Die Leidenschaft zum Kochen wurde ihr schon in die Wiege gelegt:

Kochen war immer ein großes Thema in meiner Familie.

„Dass ich aber in der Küche gelandet bin, war ein schöner Zufall. Ihre Nachbarin im Dörfchen Mieger nahe Klagenfurt war auch ihre Vorgängerin im „Stand 17“: Nini Loudon hat immer wieder ausgeholfen, bis eines Tages der Vorschlag zur Übernahme kam. „Meine Tochter war da auch schon groß genug, ich hatte Zeit und vor allem Lust am Markt zu kochen“ erzählt die weltoffene Kärntnerin.

Der Geschmack ihrer Kindheit

Stand17_Nini Loudon in der Küche Foto: Lea Friessner

Das gemeinsame Essen, die Geborgenheit am Familientisch haben Nini Loudon geprägt. Genau dieses Gefühl bietet sie seit drei Jahren auch ihren Gästen: „Essen wie daheim“ ist die Philosophie des bekannten Marktstandes: „Frisch und gesund!“. Viele Stammgäste sind bereits Freunde geworden und helfen auch schon einmal beim Abservieren oder holen sich ihre Getränke selbst.

Stand17_Auf der Terrasse Foto: Lea Friessner

„Ich mag diese Mischung aus 5 Stern- Menü und Mittagskantine, der Stand 17 vereint das Beste von beidem“ sagt ein Gast, der gerade seinen Espresso ausgetrunken hat: „richtig gut, aber nicht gekünstelt. Familiär, freundlich, qualitativ hochwertig.“ Auf der Tafel vor dem Marktstand stehen jeden Tag 3 bis 4 Gerichte: Verschiedenste Spaghetti- und Risottovarianten gibt’s täglich, Mittwoch ist Currytag, sonst kocht Loudon leidenschaftlich Hausmannskost. Auch Wild ist ein großes Thema am Stand 17 und war lange Zeit am Markt schwer erhältlich. Diese Lücke hat die passionierte Jägerin zur Freude ihrer Gäste geschlossen. Nini Loudon will aber lieber nicht als Jägerin beschrieben werden. „Das Thema Frauen in der Jagd ist in letzter Zeit sehr schick geworden, ich bin aber schon seit 25 Jahren dabei“ erzählt Loudon, in deren Familien- und Freundeskreis auch viele Jäger anzutreffen sind. „Sagen wir, ich habe einen guten Zugang zum Thema Wild“ lacht sie.

Stand 17_Die Tropheé Gourmet für den Stand 17 Foto: Lea Friessner

Aufgrund der Enge des Lokals kommt man auch schnell ins Gespräch. Dass der „Stand 17“ viele treue Fans hat, wurde spätestens 2014 österreichweit bekannt, als Loudon den begehrten Publikumpreis des "Trophée Gourmet A la Carte" - den österreichischen Gastronomie-Oscar des "A la Carte"-Magazins - verliehen bekam. Die meisten Stimmen aus dem ganzen Land konnte der kleine „Stand 17“ damals für sich verbuchen. Und das ohne große Kampagne dahinter:

Das war ein Selbstläufer, meine Gäste haben alle motiviert, mit zu stimmen. Ich denke es war eine Anerkennung für die Atmosphäre hier.

 

 

Stand17_Fenchel Karotten Curry mit Couscous Foto: Lea Friessner

Wohl aber auch eine Anerkennung an ihre köstliche Küche: Sowohl das „Risotto mit getrockneten Tomaten und Schafskäse“ als auch das „Fenchel-Karotten Curry mit Cous Cous” schmecken herrlich, es ist schnell klar, dass wir wiederkommen müssen um die täglichen Variationen zu verkosten. Auch Loudon freut sich über die Komplimente ihrer Gäste. Eines der schönsten hat ihr vor kurzem ein Stammgast gemacht:

Wegen deiner Küche müsste man dich jeden Tag heiraten.

 

 

Stand17 Foto: Lea Friessner
Stand17_Pasta Bolognese Foto: Lea Friessner

An einem der acht kleinen Tische unter der roten Markise sitzt auch einer anderer Stammgast, der fast jeden Tag die Mittagspause hier verbringt. Auf die Frage warum, kommt eine schnelle Antwort: „Der Markt ist der Ausdruck der Kultur einer Region.

Stand 17
Am Benediktinermarkt, nordseitige Markthalle
9020 Klagenfurt

Der „Stand 17“ ist ein wichtiger Teil davon, ein öffentlicher Ort der Begegnung. Außerdem werden die frischen, regionalen Lebensmittel hier direkt verkocht.“

Regional & Authentisch: Einkauf am Benediktinermarkt

Stand17_Benediktiner Markt Foto: Lea Friessner
Stand 17_Bester Kaffee aus Triest Foto: Lea Friessner

Die Lebensmittel holt sich Nini Loudon größtenteils direkt vor der Haustüre.

Alles an Obst und Gemüse kaufe ich am Markt.

Das „Hendl“ (Huhn) kommt auch vom Direktvermarkter, heimische Forellen und Saiblinge holt sie sich von einer kleinen Fischzucht im Jauntal. Loudon kocht saisonal auf das Angebot am Markt abgestimmt und hat eine Leidenschaft für kleine, feine Produzenten. „Ich bin der Meinung, die Qualität ist einfach besser und auch die Kleinen haben eine Chance zu überleben“ erklärt die Gastronomin. Der (köstliche!) Kaffee kommt aus einer kleinen Rösterei in der Nähe von Triest,  der Wein vom einem Winzer an der italienisch-slowenischen Grenze. Vor drei Jahren war sie die Erste, die das mittlerweile landesweit bekannte Wimitzbier aus der biologischen Kärntner Brauerei ausgeschenkt hat. Alle Speisen gibt es auch zum Mitnehmen, das Take-Away des Stand 17 wird immer beliebter. Auch die begehrten Süßspeisen des Marktstandes Nummer 17 stellt Loudon größtenteils selbst her. Nur die verschiedenen Strudel kommen manchmal von einer benachbarten Bäuerin aus Mieger.

Am Markt liebt sie das Unkomplizierte - die lässige Atmosphäre:

Der Stand 17 ist ein Marktstand und kein Restaurant.

Und genau das schätzen auch die vielen Stammgäste, darunter viele Künstler und Intellektuelle, „eigentlich aber Menschen quer durch alle sozialen Schichten“ sagt Loudon. An den Markttagen, und vor allem am Samstag ist in ihrem Gastgarten und im Stand kaum ein Platz zu finden: Besonders beliebt sind an diesen Tagen auch ihre delikaten „Beinschinken-Semmerl mit Kren“. „Um 11.00 vormittags sind oft schon bis zu 100 Semmerl weg“ erzählt die erfolgreiche Gastronomin. In der kalten Jahreszeit freuen sich die Gäste auf den Glühwein des Marktstandes, aber auch auf Champagner. Zu Weihnachten nämlich. Da wird am Stand 17 „Hadnsterz mit Champagner“ serviert. Eine Hommage an die Südtiroler Wurzeln von Nini Loudon.In ihrer Freizeit ist die leidenschaftliche Schifahrerin und Schitourengeherin dann „schon wieder beim Essen“ schmunzelt sie: „ich bin immer wieder auf der Suche nach ehrlichem, unverschnörkelten Essen in regionalen, kleinen Gasthäusern.

Wir würden ihr ja den Stand 17 empfehlen...