Biohof Sommeregger

Altes Getreide für eine neue Zeit

Anita Arneitz

Oberkärntner Roggen, Waldstaude, Nackthafer, Talggen oder Einkorn – in Spittal an der Drau wurde auf seltenes, regionales Getreide nicht vergessen.

Es erfordert Mut, statt Chemie auf die Hilfe der Natur und das Leben mit den Jahreszeiten zu setzen. Zumindest war das vor über 20 Jahren so, als sich Familie Sommeregger entschied auf Bio umzusatteln und regionale Getreidesorten anzubauen. „Wir haben ums Überleben gekämpft“, erinnert sich Johanna Sommeregger. Das Durchhalten hat sich aber gelohnt. Heute agiert der Betrieb unabhängig vom Saatgutmarkt und vermehrt seine Bio-Getreidesorten selbst.

Getreidespezialitäten aus Oberkärnten

Der Oberkärntner Roggen wird auf dem Biohof der Familie seit Generationen angebaut. Die kaum mehr kultivierte Sorte hat sich den örtlichen Bedingungen optimal angepasst. „Unser Roggen liefert im Vergleich zu den modernen Sorten zwar keine hohen, aber verlässliche Erträge als schmackhaftes Brotgetreide.“

Der Nackthafer ist ebenfalls sehr bekömmlich und zeichnet sich durch einen hohen Mineralstoff- und Fettgehalt aus. Er wird von den Sommereggers zu Flocken, Müsli oder Talggen verarbeitet.

Das Einkorn gehört zu den ältesten Getreiden und wurde sogar bei Ötzi gefunden. Im 20. Jahrhundert galt es aber als nahezu ausgestorben. 

Unter den verschiedenen Getreidesorten ist das Talggen das Liebkind von Sommeregger. Dieser war in der Region über viele Jahrhunderte hinweg ein wichtiger Bestandteil der bäuerlichen Kost. Die historischen Wurzeln gehen zurück ins Frühmittelalter. Der Name dürfte slawischer Herkunft sein und lautet „Talkuna“, was so viel heißt wie Hafnermehl. Das Talggen ist ein gedämpftes Getreide, das früher in der Restwärme nach dem Brotbacken, gedarrt und anschließend grob vermahlen wurde. Sommereggers Talggen besteht aus Dinkel, Roggen und Hafner.

Talggen am Morgen oder Abend

In zwei bis drei Minuten ist Talggen fertig zubereitet – er wird mit fast kochendem, leicht gesalzenem Wasser angerührt und mit Butter verfeinert. „Talggen ist ein sehr hochwertiges Nahrungsmittel und eignet sich als Frühstück oder Abendessen. Er kann süß oder pikant zubereitet werden“, weiß Sommeregger. Als fast vergessene Speise wurde Talggen in der „Arche des Geschmacks“, einer Initiative von Slow Food International aufgenommen. Ziel der Arche des Geschmacks ist es, das Erbe der traditionellen, historisch regional verankerten, durch besonderen Geschmack ausgezeichneten Lebensmittel zu schützen und ins Bewusstsein der Konsumenten zu bringen. 

Shoppingparadies Hofladen

Zu kaufen gibt es die Getreidesorten als Saatgut, gemahlen als Mehl oder verarbeitet als Brot, Kleingebäck, Reindling, Talggen, Dinkelreis, Flocken oder Müsli direkt im eigenen Hofladen. Dieser existiert bereits seit 1993 und wird gemeinsam von Familie Sommeregger, Familie Sagmeister und Familie Kleinfercher betrieben. Die Produktpalette reicht von saisonalem Gemüse über Getreideprodukte wie Brot bis hin zu Fleisch, Fisch, Tee oder Honig. Sommeregger sagt dazu: „Sie finden alles, was Sie brauchen und was wir nicht haben, brauchen Sie nicht.“

Biohof Sommeregger
Schlossbauern-Hofladen – Aus der Speisekammer der Natur

Öffnungszeiten: Do 16-19.30 Uhr, Fr 8.30-12 Uhr

Rudolf und Johanna Sommeregger
St. Peter 19, 9800 Spittal an der Drau
☎ +43 (0) 4762-58 9 73

www.biohof-sommeregger.at

Informationen zur „Arche des Geschmacks“ gibt es auf www.vielfalt.com und www.archeprojekt.at

Quellenangaben
Fotos: (c) Anita Arneitz und Biohof Sommeregger